Zu dieser Frage sagen einige Teilnehmende hier kurz etwas:

(Von: Bernhard Nolz) Ich nehme teil, weil mir das Motto des Deutsch-Russischen Forums so gut gefällt: „Brücken bauen!“ Genau darauf kommt es jetzt an: Das Verbindende zwischen Russland und Deutschland zu pflegen und einen friedlichen und gleichberechtigten Austausch der Menschen und der Regierenden zu gewährleisten. Als Friedenspädagoge und Friedenspreisträger möchte ich damit insbesondere für junge Menschen ein Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit setzen.

(Von: Manfred Dümmer): Es ist unbedingt erforderlich, dass bei den derzeitigen politischen Spannungen zwischen Russland und Deutschland/EU ein Zeichen für ein bürgerschaftliches Engagement zu setzen, dessen Ziel es v. a. ist, sich für den Frieden und Völkerverständigung einzusetzen. Die Arbeit des Kuratoriums Städtepartnerschaft Welikij Nowgorod – Bielefeld unterstütze ich seit seiner Gründung.

(Von: Wiebke Esdar) Warum bin ich dabei? – Mal nach Novgorod reisen wollte ich schon seit meiner Kindheit, seit ich von der Partnerstadt Bielefelds gehört hatte. Ich finde unseren Besuch hier spannend, gerade auch, weil in Russland politisch und kulturell vieles anders ist als bei uns. Gleichzeitig bietet die Konferenz an der Uni mir die Möglichkeit Gemeinsamkeiten mit unserem Hochschulsystem zu entdecken. Und, nicht zuletzt, haben sich die Ereignisse der internationalen Politik seit der Annexion der Krim so sehr überschlagen, dass wir zwar vermutlich hier in Novgorod die weltpolitischen Probleme nicht werden lösen können, aber zumindest können wir einen kleinen Schritt zur Völkerverständigung beitragen, einer der wichtigsten Grundlagen für dauerhaften Frieden.

(Von: Annika Naber) Wenn die staatliche Universität Nowgorod genannt Jaroslav-der-Weise  zu Zeiten politischer Spannungen in Europa, zu einem Forum einlädt, um zwischen Russland und Deutschland bestehende Brücken zu festigen und neue zu bauen, dann ist die Einladung für mich eine Ehre und die Teilnahme eine Selbstverständlichkeit. Ich möchte dieses Forum nutzen, um meine persönliche Brücke nach Welikij Nowgorod zu stärken, die bereits seit der Teilnahme am deutsch-russischen Doppelabschluss zwischen der Universität Hildesheim und der Universität Nowgorod besteht. Als ein Forumsergebnis wünsche ich mir, dass alle Teilnehmer_innen für sich mitnehmen, dass Brücken auf festverankerten Fundamenten basieren, die sämtliche Unwetter überdauern. Nach dem Forum wird es spannend: Wie bauen wir eine Brücke zu denen, die nicht dabei waren?

(Von: Gerlinde Günther-Bömke) „Warum fährst du nach Russland, Oma?“ fragte meine achtjährige Enkelin. Ich suchte nach einer kurzen verständlichen Antwort : „weil mir die Politik nicht gefällt, die unsere Politiker gegen Russland machen.“ Das war wohl nicht sehr klar, dachte ich, und fragte, „weißt du, was Politiker sind „? „Na klar“, war die unwillige Antwort , „aber warum fährst du nach Russland, Oma?“ Ich brauchte etwas Zeit für die Antwort, aber sie stellte das Kind zufrieden: „Wir wollen den Menschen sagen, dass wir Ihre Freunde sein möchten.“ Warum brauchte ich Zeit für eine Antwort, die mein Motiv für die Russlandreise einfach und klar ausdrückt? Weil es eingebettet ist in die komplexen internationalen Konflikte, die sich gerade nicht durch einfache Freund-Feind – Schemata beschreiben lassen, aber gleichwohl durch die Berichterstattung in den Medien als ein Kampf zwischen “ Guten und Bösen “ erscheint. Ich glaube nicht, dass Schuldzuschreibungen helfen Konflikte zu lösen, sondern das Gegenteil bewirken: Rechtfertigungen statt Reflektion auf der einen Seite, Verurteilungen statt Analyse auf der anderen Seite. Und sie haben noch weitere Konsequenzen. Sie konstruieren ein Feindbild, mit dem Menschen manipuliert werden können. Emotionen wie Unsicherheit und Berührungsangst entstehen, Einstellungen wie sich-abgrenzen-müssen, am Ende auch sich-verteidigen-müssen, können entstehen. Deshalb bin ich mit nach Nowgorod gefahren, aus Sorge, dass alle Mühen um Verständigung vergebens sind, wenn weiter die Definitionsmacht über die Ursachen der Konflikte zwischen Russland, der EU und den USA bei Medien und Politikern liegt, die nicht erkennen lassen, dass sie sich für Frieden und Verständigung einsetzen wollen. Und mit Wunsch, dies selbst in Russland zu versuchen.

(Von: Horst Rühaak) Die politische und gesellschaftliche Situation hat sich in den letzten Monaten beängstigend verändert, es geht nicht mehr um Entspannung, um Ausbau, Verbesserung der Beziehungen der Völker oder wenigstens der Regierungen, es geht um Abgrenzung, es geht um Einfluss, um Aneignung, um Abschreckung, sodass man sich fragen muss, ob man dem einfach nur hilflos ausgesetzt ist oder ob man irgendwas wenigstens für sich selbst tun kann. Ich fühle mich hilflos, besser einflusslos. Was passiert da? Wer dreht da was, warum, was soll das? Wer sind eigentlich die Kriegstreiber? Wo sind sie? Ich treffe sie nicht. Ich kann ihnen nicht sagen, wie unendlich dumm ich jede Alternative zum friedlichen Miteinander finde. Deshalb sollten sich die treffen, die so wie ich der Meinung sind, dass jeder gewaltsame, militärische Versuch einen Konflikt zu lösen, zum Scheitern verurteilt ist, den Konflikt nicht löst, in der Regel verschärft, die Gegebenheiten unerträglicher macht.      Darin bin ich unbelehrbar: Es gibt nur eine einzige Rechtfertigung für Gewaltanwendung: Selbstverteidigung. Jede andere Art von Gewaltanwendung, auch jede Drohung mit Gewalt muss absolut geächtet werden. In letzter Zeit hat das Wort vom „Russlandversteher“ viel von sich reden gemacht. Ich halte die Art und Weise, wie es verwendet wird, für absoluten Unfug. Russland ist schlicht ein Land, darüber hinaus das größte auf Erden überhaupt. Ein Land verstehen lernen, heißt die geologischen und geografischen Verhältnisse, seine Flora und Fauna zu studieren, bzw. zu erfahren. Das ist gut, da gibt es viel zu tun, das sollten möglichst viele tun. Es geht also eher um den (häufig synonym verwendeten) „Putinversteher“, womit nur gemeint sein kann, den russischen Präsidenten zu verstehen. Doch der ist uninteressant, der ist doch wohl kein Alleinherrscher, also muss gemeint sein, den russischen Präsidenten, die russische Regierung, die den russischen Staatsapparat bildende Menschengruppe, die russischen Machthaber zu verstehen, sich also in seine/ihre Lage versetzen, seine /ihre Handlungen verstehen zu können. Das allerdings finde ich sehr wichtig. Ich möchte gern verstehen, warum sich Putin, die russische Regierung, der russische Staatsapparat, die russischen Machthaber so etwas wie die Krim ans Bein binden. Haben sie was davon, was? Ich möchte gern verstehen, was da in der Ukraine abgeht. Es ist nicht der Westen, nicht Russland, auch nicht die Ukraine, deren Interessen aufeinanderprallen, es ist eine relativ kleine Clique von mächtigen Individuen in den USA, in der EU, in Russland und natürlich auch in der Ukraine, die irgendwelche Spielchen spielen, sich etwas aneignen, etwas auf den Markt werfen, etwas sich nicht gefallen lassen wollen, erfolgreich sein, bewundert werden wollen. Mit den Amerikanern, den Europäern, den Russen und den Ukrainern hat das, glaube ich, wenig zu tun.

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